Auf den Brettern, die die Welt bedeuten

Star-Tenor Jonas Kaufmann feiert gerade sein Comeback auf Münchens Opern-Bühne. Kurz vor Premiere werfen wir in einer spannenden Führung einen Blick hinter die Kulissen der Bayerischen Staatsoper – und erfahren Wissenswertes über die Abläufe im Haus, die 350-jährige Geschichte sowie den Aufwand von bis zu 1.000 Mitarbeiter bevor es heißt: „Vorhang auf!“.
 

Deutschlands größtes Opernhaus

Das Bayerische Nationaltheater gehört weltweit zu den führenden Opernhäusern und blickt stolz auf eine über 350-jährige Geschichte zurück. Als Spielort der Bayerischen Staatsoper, des Bayerischen Staatsorchesters und des Bayerischen Staatsballetts trägt es, neben weiteren Spielstätten, mit rund 450 Veranstaltungen und 600.000 Gästen jährlich maßgeblich zum Ruf Münchens als eine der großen internationalen Kulturstädte bei.
 

Phönix aus der Asche

1811 legte König Max I. den Grundstein zum Bau des Königlichen Hof- und Nationaltheaters nach den Plänen Carl von Fischers. 12 Jahre später brannte das Gebäude bis auf die Grundmauern nieder – selbst die königlichen Biervorräte konnten nichts gegen die Flammen ausrichten. Unter der Leitung des Architekten Leo von Klenze erfolgte der erste Wiederaufbau; nach der vollständigen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg der zweite. Seit seiner Wiedereröffnung im Jahr 1963 erstrahlt das Bayerische Nationaltheater wie Phönix aus der Asche im alten klassizistischen Glanz.
 

Nächtliche Privataufführungen

Bereits zu Zeiten König Ludwig II. stand die Münchner Oper im Blickpunkt der europäischen Musikwelt. Für den kunstbegeisterten und nachtaktiven Märchenkönig wurde das gesamte Opernhaus 209 Mal geschlossen – die nächtlichen Privataufführungen im Königssaal dauerten bis in die frühen Morgenstunden. Vor dem Eingang des Königssaals im Ersten Rang verströmt heute ein mundgeblasener Kronleuchter aus Murano-Glas sein betörendes Licht – der weltweit größte seiner Art.
 

Sitzplatz in der Königsloge

Im Zuschauerraum mit über 20 Metern Höhe finden 2.101 Zuschauer Platz. Während Opernliebhaber die beste Akustik in der Mitte der oberen Galerie genießen, bieten beim Ballett die unteren Plätze die beste Sicht. Geheimtipp des Theaters: sollte die Königsloge einmal nicht durch die Bayerische Staatsregierung oder internationale Prominenz belegt sein, so gehen die Plätze kurzfristig in den freien Verkauf.
 

Der schöne Schein

Wahrzeichen des Nationaltheaters: Der 6 Meter hohe, 3,6 Tonnen schwere und 700.000 € teure Lüster in der Mitte des Zuschauerraumes. Wie dieser gereinigt wird? Einmal pro Jahr, in der Ferienzeit, wird der Lüster heruntergelassen und alle 70.000 Teile von einer auf Kronleuchter spezialisierten Reinigungsfirma entstaubt…
 

Die Bretter, die die Welt bedeuten

Mit 2.200 Quadratmetern ist der Bühnenbereich der Bayerischen Staatsoper der drittgrößte Europas – nach der Pariser Opéra Bastille und dem Teatr Wielki in Warschau. Für den Zuschauer unsichtbar, werden hier täglich bis zu 120 Tonnen auf den Millimeter genau bewegt – die Hydraulik- und Gegengewichtsanlage der Unterbühne diente selbst beim Umbau der Mailänder Oper als technischer Standard.
 

Seufzen und Wiehern auf der gläsernen Brücke

Wichtigster Nebenschauplatz der Staatsoper: Das Probenhaus am Marstallplatz, welches 2003 an das Theater andockte. Während im Rennert-Saal mit 630 Quadratmetern und acht Metern Raumhöhe Inszenierungen 1:1 vorbereitet werden können, ist die Akustik im Bruno-Walter-Saal so gut, dass er als Aufnahmestudio genutzt werden kann. Über den Industrieaufzug des Probenhauses und die gläserne „Seufzerbrücke“ gelangen selbst Chevrolets, Ponys und Kaltblüter problemlos in den Bühnenraum.
 

Ein Ensemble aus der ganzen Welt

Das Bayerische Staatsorchester zählt mit seinem Ensemble aus 160 Musikern zu den renommiertesten Opernorchestern der Welt. Und falls 6 Schlagzeuger in einer zeitgenössischen Oper wie „Die Soldaten“ nicht ausreichen, werden diese um 37 weitere Schlagzeuger aus der ganzen Welt ergänzt – neben insgesamt 965 Festangestellten werden im Bayerischen Nationaltheater bis zu 300 weitere, freie Musiker und Tänzer nach Vorstellung bezahlt.

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Möchten auch Sie hinter die Kulissen des Bayerischen Nationaltheaters blicken? Weitere Informationen zu den Führungen finden Sie hier.

Bildcredit © Wilfried Hösl
Titelfoto Newsletter © Wilfried Hösl

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