Gerhard Landau, Geschäftsführer des Architekturbüros Landau + Kindelbacher über das Projekt T19 und seine Besonderheiten

T19. In exponierter Lage nahe der traditionsreichen Prinzregentenstraße, ein Wohnensemble aus historisierendem Vordergebäude und modernem Rückgebäude. Wie kam es zu diesem besonderen Entwurf?

In der Trogerstraße 19 schaffen wir einen baulichen Spagat, indem wir das Beste aus den beiden Stadtteilen Bogenhausen und Haidhausen vereinen: Mit dem gründerzeitlich anmutenden Vorderhaus wird die Baulücke zwischen den benachbarten Bestandsgebäuden geschlossen und der historischen Bebauung Bogenhausens Respekt gezollt. Gleichzeitig bedient das Hinterhaus mit seinem Loft-Charakter das jüngere, modernere Haidhausen.

Was sind die größten Herausforderungen bei einem Projekt, das inmitten einer Bestandsbebauung entsteht?

Einerseits die gestalterische Leistung, sich mit den umgebenden hochkarätigen Denkmälern in der Nachbarschaft auseinanderzusetzen und das intakte Gründerzeitensemble in diesem Sinne weiterzubauen; andererseits die bautechnischen Bedingungen in einem gewachsenen Umfeld, wie zum Beispiel der Einbau einer zweigeschossigen Tiefgarage oder eines Regenwasserrückhaltebeckens. Generell ist die Baustellenlogistik in einem geschlossenen Geviert immer herausfordernd.

Das Vorderhaus der T19 schmiegt sich perfekt in die historische Nachbarschaft ein. Wie sehr darf man historisieren, um den ästhetischen Grundgedanken des gesamten Ensembles zu wahren?

Für uns ist das nicht historisierend in einem aufgesetzten Stil, sondern das logische Weiterbauen eines prägnanten Ensembles. Vertikale und horizontale Gliederungselemente, wie die hervortretenden Erker oder die Putzfassade, werden für den Neubau aufgenommen, ebenso die geneigte Dachform im Sinne einer homogenen Dachlandschaft. Die Fortführung des Hochparterres ist nicht nur folgerichtig, sie schafft zusätzlich die notwendige Intimität zur Straße hin.

Das Rückgebäude – ein Ausdruck von mutiger, extravaganter Architektur, die mit einer Fassade aus Glas und eloxiertem Metall besticht. Was hat Sie hierzu inspiriert?

Für das hintere Gebäude gestalten wir eine Situation aus Licht, Luft und Sonne. Durch die Fensterflächen und flexiblen Schiebeläden werden Ausblicke ermöglicht und Einblicke zugunsten der Privatsphäre verhindert.

Das champagnerfarbene Eloxal zieht sich über alle metallenen Bauteile wie Balkonbrüstungen, Schiebeläden sowie Fensterrahmen und somit die ganze Wohnanlage. Das Ornament ist eine Reminiszenz an die Sinnlichkeit, und im weitesten Sinne auch eine Anlehnung an die Jugendstilelemente, die wir bei der benachbarten Villa Stuck finden. Von außen schön zu betrachten, weil sich das Lichtspiel von innen nach außen abbildet, geht es aber auch klar darum, im Innenhof Intimität zu schaffen und die großen Glasflächen zu verschatten.

Die Expansion nach innen zeigt vielfältige Grundrisse und einen großzügigen Umgang mit Raum. Was sind die Merkmale, die die Wohnungen einzigartig machen?

Das Konzept, das Vordergebäude im gründerzeitlichen Duktus zu spielen, setzt sich von der Fassade auch in den klassischen Raumfolgen fort, während die Grundrisse im Hintergebäude eher loftartig, fließend gestaltet sind. Das spiegelt sich auch in der Innenarchitektur wieder: Während im Vorderhaus Umfassungszargen, aufgesetzte Sockelleisten, Stuckelemente und Fischgrätparkett den Raumeindruck bestimmen, sind es im Rückgebäude flächenbündige Blockzargen und Dielenparkett.

Wie ist Ihr Vorgehen bei einem Projekt wie der T19?

Hier kommt der klassische Entwurfsprozess zum Tragen. In einer städtebaulichen Analyse werden die Umgebung und die Rahmenbedingungen erforscht und erste städtebauliche Ideen, wie die Fügung der Baukörper und der Bauteile, formuliert. Im Anschluss werden nach dem städtebaulichen Grundentwurf die Fassaden entwickelt, um die klassischen und modernen Elemente in Einklang zu bringen. Unsere Expertise als Architekten und Innenarchitekten erlaubt es uns, die Architektur, den Raumfluss der inneren Flächen von öffentlich bis privat, den Außenraum mit Gärten, Balkonen und Dachterrassen als Einheit zu denken, und somit die bestmögliche Lösung für den speziellen Ort zu finden.

Interior Design, Hotel- und Shop-Design, Wohn- und Office-Gebäude – Ihr Portfolio ist sehr vielfältig. Was verbindet die gegensätzlich erscheinenden Aufgabenbereiche zu einem ganzheitlichen Prozess?

Architektur ist kein Business wie jedes andere. Sie ist ein immer neuer, individueller Ausdruck von Perfektion. Jedes Projekt lebt vom persönlichen Stil, dem wir eine wertige Form verleihen, und der so in einer sinnlichen Gesamterfahrung resultiert. Was Architektur einzigartig macht, ist die Summe vieler kleiner, sorgfältig geplanter Details. Wir schaffen Lebensräume, die der Persönlichkeit der Kunden und unserem hohen Qualitätsanspruch gleichermaßen gerecht werden.

Was inspiriert Sie persönlich, wo holen Sie sich Anregungen?

Inspiration erfahren wir über Reisen, besonders Städtereisen, und die Betrachtung verschiedener Epochen und anderer Architekturen – von Klassizismus bis zur Avantgarde. Und natürlich aus der Kunst. „Thinking out of the Box“ und Inspiration aus Vielfalt stehen bei uns an erster Stelle.

Welche Trends sehen Sie für die Architektur der kommenden Jahre?

Die Gesellschaft ist extrem heterogen, es gibt nicht mehr den generellen Stilanspruch, dazu ist alles zu schnelllebig. Die verschiedenen Gesellschaftsschichten basteln sich ihre eigene Welt. Alles ist möglich, jeder nach seiner Fasson. Die Vielschichtigkeit lässt alles zu – von klassisch bis exzentrisch. In der Farbigkeit und Materialität lässt sich dieser Grundtrend zur Schnelllebigkeit bereits erkennen, analog zur Mode, wo das gestern Gesehene in der Haute Couture morgen schon bei Zara zu bekommen ist.

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