Innovative Häuser im Micro-Format

Wie viele Quadratmeter braucht ein Mensch? Diese Frage stellt sich zwangsläufig auf einem Planeten mit über sieben Milliarden Menschen, von denen die meisten in eng bebauten Großstädten leben. Kompaktes Wohnen mit intelligenten Grundrissen ist im Sinne der Nachhaltigkeit eine effiziente Lösung. Und Fakt ist: Wohnfläche alleine bedeutet nicht automatisch Lebensqualität.

Die Tiny-House-Bewegung, die in den USA seit Anfang des Jahrhunderts das Downsizing propagiert, gilt als Vorreiter einer kostengünstigen und nachhaltigen Lebensart. Ihre Devise: Mit einer (energie)effizienten Bauweise, cleveren Stauraumlösungen und gezielt gesetzten Ausblicken höchst attraktive Lebensräume schaffen – und das bereits auf einer Fläche von 15 Quadratmetern.

Voll ausgestattet kann ein Tiny House als Hauptwohnsitz für Singles und Paare sowie als Gästewohnung, Retreat oder Büro dienen. Vom Singlehaus hin zum Einfamilienhaus oder bei Gründung einer Bürogemeinschaft lässt es sich beliebig erweitern. Und bei einem Ortswechsel? Wird es einfach mitgenommen! Flexibilität für heutige Ansprüche.

Dabei ist das Minimax-Prinzip nicht neu. Bereits 1928 formulierte Le Corbusier die Idee des modularen Mikrohauses par excellence. Verschiebbare Wände und bewegliche Möbel erweiterten seine Wohnräume von bezahlten 46 Quadratmetern auf genutzte 71 Quadratmeter. Trotz geringer Fläche ein Gefühl der Großzügigkeit zu erwecken – eine der spannendsten Herausforderungen für die Designer und Architekten unserer Zeit.

Die schwedische Architektin Jeanne Berger baut auf der Privatinsel Henriksholm hölzerne Mikrohäuser nach Maß. Die kleinen Ferienhäuser sind zwar auf nichts anderes ausgelegt als aufs Ausruhen, duften dafür wunderbar nach Wald und bieten mit Glaseinsätzen in Wänden und Decken einzigartige Ausblicke in die Natur. Ihr Name „72h Cabins“ entstand, nachdem ein Praxistest belegte, dass der Stresslevel eines Hüttenbewohners bereits nach 72 Stunden drastisch sinkt.

Das „Nomad Haus“ des kanadischen Architekts Ian Kent ist ebenfalls nicht viel größer als ein Selbstbauschrank aus dem Möbelhaus. So kann das Leichtgewicht-Metallhaus sogar verschickt werden. Aufgebaut hingegen ist es ein vollständiges Zuhause mit Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche und Bad sowie einem ausgeklügelten Tageslichtsystem.

Auch der „Loftcube“, eines der phantastisch anmutenden Projekte von Werner Aisslinger, kann als „Denkanstoß“ gesehen werden. Grundidee und Clou des 40 Quadratmeter großen, futuristischen, modularen und transportierbaren Wohnwürfels ist die Realisierung „temporärer nomadenhafter Architektur“. Ein Wohnmodul mit Zimmer, Küche, Bad, das nahezu autark ist und auf flachen Hausdächern, in Gärten oder wo auch immer ein Versorgungsanschluss zur Verfügung steht, andocken kann.

Tiny Houses sind längst zu einem festen Begriff in der Architektur geworden – und zu einer immer attraktiveren, gesellschaftlich akzeptablen und technisch ausgereiften Methode.

Ob futuristische Blockhütte im Wald, Feriendomizil in Dreiecksform oder vollständiges Wohnhaus im Miniformat: Rund 40 fantasievolle, witzige und inspirierende Raumwunder aus den USA, Europa und Asien gibt es im Buch „Winzig: Innovative Häuser im Mini-Format“, erschienen 2016 im DVA-Verlag, zu bestaunen.

Bildcredits © Add A Room / Housedoctor

Quellen:
50 Insights – Zukunft des Wohnens, zukunftsinstitut, 2017
Raumwunder – Große Ideen für kleine Wohnungen, Gestalten, 2017
www.tiny-houses.de
www.geo.de/natur/nachhaltigkeit/1672-rtkl-tiny-houses-leben-auf-kleinem-fuss
www.addaroom.dk/en
www.nord59.net/werner-aisslinger
www.awmagazin.de/design-style/aw-designer-des-jahres/artikel/werner-aisslinger-aw-designer-des-jahres-2014
https://de.wikipedia.org/wiki/Tiny_House_Movement
https://de.smart-magazine.com/mikrohaus-ideen-2018

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