Hoch hinaus, auch im Anspruch: LBBW Immobilien bezeichnet das Konzept der beiden Wohntürme im Hirschgarten als für den Münchner Markt recht einzigartig.

München. Dass sich in München alles verkauft, wie es oft heißt, darauf scheint sich LBBW Immobilien nicht verlassen zu wollen. Sie befragte Wohnungssuchende nach ihren Wünschen und goss einige davon ins Konzept der beiden Wohntürme am Hirschgarten. Die sind der prägnanteste Teil eines in Kürze entstehenden Viererensembles.

Es werden keine Höfe, keine Residenzen, und auch gegen Gärten im Namen hat sich der Bauherr entschieden. Letzteres würde auch nur mit viel Fantasie zu den beiden 53 m hohen Gebäuden passen, vor denen nur ein paar rechteckige Grünflächen abgezirkelt sind. Friends, so wurden die Türme genannt. Und damit ist weniger eine womöglich aus der gleichen Fassadenidee abgeleitete Verbundenheit der Häuser gemeint als vielmehr das Konzept, das dahintersteckt: Wer kauft, soll seine Privatheit haben, der soll aber auch Freunde einladen und Nachbarn treffen können – jenseits der Wohnung, sprich auf einer möblierten Dachterrasse, die jeder der beiden Türme bietet, und in einer großen Kitchenlounge getauften Gemeinschaftsküche. Die jeweils 15-geschossigen Gebäude – eines ist noch mit einem fünfstöckigen Anbau versehen – werden zwischen Bahngleisen und Birketweg sowie westlich der Wilhelm-Hale-Straße errichtet. Insgesamt 260 Wohnungen sollen entstehen, zwischen 41 und 129 m2 groß, zusammen 17.400 m2 Wohnfläche bietend. Zu haben sind die Einheiten zu Quadratmeterpreisen zwischen knapp 5.000 Euro und etwas über 11.400 Euro, die günstigste für 239.000 Euro, die teuerste für etwa 1 Mio. Euro. Tiefgaragenstellplätze kosten extra, jeweils 35.000 Euro sind zu berappen. Die Bauarbeiten sollen im Sommer starten, mit der Fertigstellung wird zwei Jahre später gerechnet. Die Gesamtinvestitionskosten beziffert Roderick Rauert, Geschäftsführer von LBBW Immobilien Capital, nur grob auf „mehr als 100 Mio. Euro“.

Friends also. „Die Menschen wollen Freunde, Kontakte“, sagt Jürgen Schorn, geschäftsführender Gesellschafter der vermarktenden Bauwerk Capital, und verweist auf die hohe Singlequote in München. Singles und Paare, das sind denn auch die Zielgruppen des Projekts. Arbeitendes Volk mit begrenzter Freizeit und Hang zum Sharing, zum Teilen – nicht nur Autos und Musik aus der Cloud, sondern eben auch Dachgarten und Küche. Ein auf Service eingestellter Hausmeister („Keeper“) soll ihnen Zeit sparen, soll hinter einem Tresen Pakete annehmen, sich ums Reinigen von Klamotten kümmern und andere Dienste organisieren. Zudem sind ein Café und ein Fitnessraum geplant.

All dies steht weit oben auf der Wunschliste der Befragten, dazu ein „durchdachtes Schrank- und Aufbewahrungssystem mit flexiblen Elementen für Wohnung oder Kellerraum“. Auch das wird es in den Untergeschossen geben. Das Konzept sei für den Münchner Markt einzigartig, heißt es. Man kann es auch so sehen: Es gilt, potenziellen Käufern eine balkonlose 46-Quadratmeter-Wohnung im fünften Obergeschoss – also wahrlich nicht mit bester Sicht auf die Stadt – schmackhaft zu machen, die 7.142 Euro/m2 kosten soll. Ein weiteres Argument soll die Architektur des Büros Allmann Sattler Wappner liefern. Die Fassaden der Türme prägen große, bodentiefe Fensterflächen, die sich nach oben hin immer stärker falten und so Erker bilden. Die Grundrisse sind offen gehalten. Ludwig Wappner formuliert es so: „Wer die Wohnungstür öffnet, soll nicht sofort auf einen Bauernschrank schauen und sich dann in einem Labyrinth verlaufen.“ Ein Vorteil dieser Offenheit: wohnen, kochen und essen in einem Raum, das spart Platz für Flur und Wände, wirkt großzügig. Platz sparen, darauf wurde auch bei der Anordnung von Bad, WC, Garderobe, Küche und Funktionsecke für die Waschmaschine Wert gelegt: All das ist zu einem Würfel („zentrales Versorgungs- und Stauraummodul“) zusammengepackt.

Und auch wenn die Klientel für den Anfang, den Kauf, das nötige Kleingeld mitbringen muss: In Sachen Nebenkosten wolle man sie nicht überstrapazieren, sagt Schorn. Zwischen 50 und 90 Cent/m2 pro Monat sollen die Annehmlichkeiten des Konzepts mehr kosten. Ziel sei es, unter 5 Euro/m2 Nebenkosten zu bleiben.

Was die Befragten im Übrigen weniger wünschten, waren unter anderem eine Werkstatt für Bastler, eine Raucher- oder Kinolounge, ein Musikzimmer, um Musik laut zu hören oder zu machen, sowie ein Clubraum mit Zeitungen, Billard oder Schachtisch und ein Medienraum als externes Arbeitszimmer. Und auch wenn der Teilen-Gedanke in dem Projekt aufgegriffen wird: Dem Trend des Urban Gardening, des Gärtelns auf öffentlicher Fläche vor den Wohnhäusern, wollen die Befragten nicht folgen.

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