Der wohnortalsLebensort

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Warum bleiben Menschen an einem Ort, obwohl sich ihre Lebenssituation verändert? Und warum fällt es vielen schwer, das vertraute Stadtviertel zu verlassen, selbst wenn die eigene Wohnung irgendwann nicht mehr zu den persönlichen Bedürfnissen passt?
Wir gehen dieser essenziellen Frage auf den Grund und erklären, warum es nicht zu früh ist, bereits heute über das Wohnen im nächsten Lebensabschnitt nachzudenken.
September 2026
Place Attachment als Teil der eigenen Biografie
Die Wissenschaft beschäftigt sich seit Jahren mit dem Phänomen des „Place Attachment“ – die emotionale Bindung an einen Ort. Sie entsteht nicht allein durch die Qualität einer Wohnung oder die Attraktivität einer Adresse. Eine Rolle spielen auch Vertrautheit und Gewohnheiten, soziale Beziehungen, persönliche Erinnerungen und die Möglichkeit, den Alltag in einer bekannten Umgebung selbstständig zu organisieren. Der Ort wird damit Teil der eigenen Biografie.
Daher dürfte es verlockend klingen, eine Wohnung zu beziehen, in einem Viertel, das sympathisch, bodenständig und mit einem hohen Freizeitwert daherkommt, und zu wissen: „Hier kann ich sehr lange bleiben“. Ein beruhigender Gedanke.


Mit Anspruch in die Zukunft sehen
Gerade in Zeiten des Umbruchs spielt für reflektierte Menschen eine vorausschauende, nach Sicherheit strebende Lebensplanung eine entscheidende Rolle. Diese Planung darf bereits frühzeitig beginnen. Es lohnt sich, schon im Erwerbsleben, als junge Familie oder als Paar, dessen Kinder das Haus verlassen haben, die spätere Wohnsituation zu skizzieren: gerne im Grünen, mit einer guten Versorgungsinfrastruktur. Stufen- und schwellenlos gebaut, der Grundriss großzügig und mit langlebigen Materialien ausgestattet. Und das alles mit klarem Designanspruch.
Selten möchten Personen die Ansprüche an ihren Wohnstandard in den noch kommenden Lebensphasen reduzieren.
Daher lohnt es sich, schon heute ein klares Bild vom späteren Wohnen zu zeichnen.

Welche Hürden ist man bereit in späteren Lebensphasen auf sich zu nehmen?
Gerade ältere Menschen sind trotz eines hohen Place Attachment gezwungen, ihr gewohntes Umfeld zu verlassen, wenn aufgrund körperlicher Herausforderungen das Wohnen zu beschwerlich wird. Barrierearme Wohnungen gelten in deutschen Großstädten nach wie vor als rares Gut, auch wenn der demographische Wandel allgegenwärtig ist. Der Abschied von Lebensgewohnheiten und dem vertrauten Wohnumfeld ist oft emotional belastend und die Angst vor dem Unbekannten kann zusätzlichen Stress verursachen. Nicht zuletzt sind Umzüge oft mit hohen Kosten verbunden.
Eine Untersuchung des Deutschen Zentrums für Altersfragen auf Basis des Deutschen Alterssurveys zeigt, dass im Jahr 2023 lediglich 16 % der 45- bis 90-Jährigen in barrierearmen Wohnungen lebten. Selbst unter denjenigen mit Mobilitätseinschränkungen waren es nur 21,4 %.
Damit entsteht ein Widerspruch: Gerade diejenigen, die von einer besser zugänglichen Wohnung profitieren könnten, leben häufig weiterhin in Wohnungen, die dafür nicht ausgelegt sind. Ein Zustand, den man gerne vermeiden möchte.
Bleiben, wo man hingehört
Ein Umzug löst das bauliche Problem zwar, verändert aber den gesamten Alltag. Der vertraute Bäcker, die Apotheke, der Weg zur U-Bahn, die Nachbarschaft oder die tägliche Runde im Park gehören nicht zur Wohnung – können aber entscheidend dafür sein, ob man sich an einem Ort zu Hause fühlt. Untersuchungen zeigen zudem, dass eine gute fußläufige Erreichbarkeit, soziale Verbundenheit und die Bindung an das Wohnumfeld gerade im hohen Alter mit einer besseren subjektiven Gesundheit zusammenhängen.

Vorausschauende Planung ist gefragt
An erster Stelle ist relevant, wie eine Wohnung gestaltet sein müsste, damit man in ihr alt werden kann. Dennoch muss man weiter greifen und die Frage stellen: Wie soll ein Wohnort beschaffen sein, damit man dortbleiben kann?
Für die Architektur bedeutet das einen Perspektivwechsel. Barrierearme oder barrierefreie Grundrisse sind nicht zwingend ein Angebot ausschließlich für ältere Menschen. Sie können vielmehr dazu beitragen, eine Wohnung über einen längeren Zeitraum nutzbar zu halten – unabhängig davon, ob sich Bedürfnisse durch das Alter, eine Verletzung, Kinder oder andere Lebensumstände verändern.

Kennen Sie schon Haus Claude?
Ein Beispiel dafür entsteht derzeit in unmittelbarer Isar Nähe: In Haus Claude an der Claude-Lorrain-Straße werden barrierefreie Wohnungen auf verschiedenen Etagen realisiert. Die Bandbreite reicht von 2- bis zu 4-Zimmer-Wohnungen. Auch die gemeinschaftlich zu nutzenden Flächen wie der begrünte Innenhof, Eingänge, Aufzüge, Tiefgarage und Räume im Untergeschoss sind barrierefrei angelegt.


Interessant ist am Beispiel Haus Claude vor allem die Verbindung von Wohnung und Standort. Untergiesing bietet kurze Wege, Grün- und Freiräume, eine gewachsene Infrastruktur und eine gute Anbindung an die Innenstadt. Diese besondere Kombination wird dazu beitragen, dass Haus Claude als Wohnort auch dann attraktiv bleibt, wenn sich die Bedürfnisse der zukünftigen Bewohner verändern.
- Bundeszentrale für politische Bildung: Sozialbericht 2024. Wohnen im Alter. (Abrufdatum 14.08.2026)
- Deutsches Zentrum für Altersfragen: Mobilitätseinschränkungen und barrierearmer Wohnraum von Menschen ab 65 Jahren in Deutschland, vom 25.04.2023. (Abrufdatum 14.08.2026)
- Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Studie „Hohes Alter in Deutschland“ – Mehrzahl der Über-80-Jährigen bewältigt Alltag aus eigener Kraft, vom 03.06.2022. (Abrufdatum 14.08.2026)
- Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Achter Kurzbericht der Studie „Hohes Alter in Deutschland“, Mai 2022.(Abrufdatum 17.08.2026)
Bildmaterial:
© Bauwerk / © Sorin Morar





