EIGENER STILTUT GUT

- Interior Design
- Trend & Vision
Stilsichere Ästhetik, gepaart mit klaren Linien, starken Farben und Kontrasten – damit umgibt sich Interior Designer Sebastian Zenker gerne. Gemeinsam mit seinem Team gestaltet er private Wohnräume, Hotels, Retail-Flächen und gehobene Gastronomie.
Wir haben ihn in seinem Studio im Herzen der Münchner Maxvorstadt getroffen und zu den aktuellen Interior Trends 2026 befragt.
April 2026
Sebastian – wie geht es dir und deinem Team? Seid ihr gut ins Jahr gestartet? Welche Projekte beschäftigen euch gerade?
Wir sind sehr gut ins Jahr gestartet, vielen Dank! Seit Jahresbeginn sind viele neue, spannende Anfragen bei uns eingegangen: Tolle Privathäuser, aber auch Hotels, Retail-Formate und Restaurants. Und interessanterweise nicht nur im gewohnten Speckgürtel München und Umgebung, sondern auch in Österreich, der Schweiz, Italien, Mallorca – unser Wirkungskreis dehnt sich aus.

Die Frage, die uns alle brennend interessiert: Welche Interior Design Trends hält das Jahr 2026 für uns bereit?
Ich würde sagen, die Farbwelt ist nicht mehr ganz so knallig. Sanfte, fröhliche Pastelltöne halten verstärkt Einzug, und tatsächlich auch wieder ein „Offwhite“ – was ja auch die Farbe des Jahres von Pantone ist. Man merkt: Wo letztes Jahr noch die erdigen, braunen Töne präsent waren, ...
...so ist es jetzt dieses neutrale, helle, optimistische, friedliche Weiß.
Und natürlich sind auch unsere Signature-Streifen weiterhin ganz weit vorne! *lacht*
Hast du persönlich eine Lieblingsfarbe – und gibt es Farben, die dich nerven?
Blau ist meine absolute Lieblingsfarbe! Unseren Showroom haben wir vor zehn Jahren in diesem knalligen Blau gestrichen und ich habe mich bis heute nicht daran sattgesehen. Eine persönliche Abneigung hingegen habe ich gegen Petrol, weil es auf mich recht kalt wirkt und irgendwie die Nummer sicher ist. Früher fand ich auch Weinrot ganz schrecklich – wenn man aber ein spannendes Rosa dazu stellt, ist es schon wieder cool.
Mein Tipp an alle Farb-Unentschlossenen: Um sich langfristig im eigenen Zuhause wohlzufühlen, kann es durchaus lohnend sein, bei teuren, fest verbauten Elementen auf Zeitlosigkeit zu setzen. Und dann mit einem witzigen Vorhang, einer farbenfrohen Tapete oder einer besonderen Wandfarbe Neues zu wagen und Frohsinn zu integrieren.

Was sind die Neuerungen in Sachen Materialien und Oberflächen?
Oberflächen werden matter, schlichter, weniger „shiny-shiny“ – den intensiven Mustermix würde ich dieses Jahr ausschließen. Die Welt kehrt gewissermaßen zu einer wohligen Romantik zurück. Natürliche, umschmeichelnde Stoffe wie Leinen, Wolle, Hanf, Bouclé, Samt sind ganz weit vorne. Dazu kombiniert man pure Oberflächen wie Chrom oder Edelstahl.
„Lieber weniger besitzen und dafür schönere Dinge – bessere Dinge.“

Es geistern gerade viele Schlagwörter durch die Medien. Welcher Trend spricht dich am meisten an: Biophilic Design, Flexible Furniture oder Easy Living?
Easy Living, also Minimalismus und Einfachheit im Alltag, unterstreiche ich total. Natürlich gibt es immer wieder außergewöhnliche Projekte unter dem Motto „more is more“, aber allgemein wird es im Bereich Interior Design gerade wieder zurückhaltender, weniger polarisierend. Farben und Muster werden ruhiger, Natürlichkeit steht mehr im Vordergrund. Kein Minimalismus – aber Reduktion auf das Wesentliche. Bewahrendes in unsicheren Zeiten. Jeder freut sich, wenn er in einer Umgebung ist, die einen umfängt mit Schönheit und Wohligkeit.
Auch Multifunktionalität und Modularität sehe ich nach wie vor als relevant an, insbesondere da die Platzverhältnisse in unseren Städten immer schwieriger werden. Biophilic Design, also Natur in Innenräumen, würde ich weniger unter dem Aspekt Pflanzen betrachten, sondern unter dem Einsatz von natürlicher Haptik und Materialität.
Gibt es „zeitlose Trends“, die sich über die letzten Jahre fest etabliert haben?
Das Thema Nachhaltigkeit ist nach wie vor relevant, insbesondere die gesamte Kette wird immer wichtiger. Sowohl wir als auch unsere Kunden achten zum Beispiel bei jedem Stoff darauf: Ist er abwaschbar? Ist er robust? Keiner möchte ein Sofa, das beim ersten Weinfleck für immer ruiniert ist. Wenngleich Robustheit aber fast zwangsläufig synthetische Faser bedeutet, habe ich dieses Jahr auf dem Stofffrühling von den Herstellern gelernt: Auch hier schlägt sich das Thema Nachhaltigkeit nieder. Es werden immer mehr recycelte Fasern verwendet, das Färben erfolgt umweltkonform und gesundheitsbewusst, alles mündet in einer Kreislaufwirtschaft. Dieses Konzept finde ich überzeugend.

Von welchen Trends würdest du deinen Kunden eher abraten – und warum?
Ich bin ein großer Verfechter sinnvoller, prozessoptimierter Planung. Es gibt nichts Schlimmeres als Design, das im Alltag nicht funktioniert. Ein Beispiel: Ein Waschbecken, das eingelassen ist, lässt sich viel besser reinigen als ein Aufsatzwaschbecken. Daher würde ich meinen Kunden für nutzungsintensive Bereiche wie die Küche auf jeden Fall diese Variante empfehlen. Oder: Schwarze Armaturen liebe ich persönlich zwar auch sehr. Sofern keine Entkalkungsanlage installiert ist, würde ich im Sinne der Langlebigkeit aber eher abraten.
Funktionalität steht für mich in solchen Fällen über Design – bei geschickter Planung paart sich bestenfalls beides.
„Dinge, über die man sich im Alltag ärgert, sollte man beim Interior vermeiden.“

Muss es für dich immer das „Original“ sein – oder gibt es auch Alternativen?
Oftmals haben meine Kunden bestimmte It-Pieces vor Augen, von denen man meint, sie unbedingt haben zu müssen. In meinen Augen gibt es viele Alternativprodukte, die gleichwertig gut sind, aber deutlich kostengünstiger. Und es ist doch auch langweilig, wenn alles gleich aussieht. Ich ermutige gerne zu mehr Mut und Individualität!
In diesem Zusammenhang fällt mir auch das Thema Naturstein ein. Echten Naturstein lieben zwar alle, mich eingeschlossen – aber das Material ist gleichzeitig auch sehr empfindlich. Hier ist der Einsatz von Feinsteinzeug in Naturstein-Optik eine tolle Alternative. Die Imitate sind zwischenzeitlich so gut, dass sie sich optisch kaum noch von echtem Naturstein unterscheiden lassen.
Auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit empfinde ich diesen Trend als positiv: Schließlich wächst das Material nicht nach. Jeder Steinbruch, der abgebrochen wird, in Brasilien, in China, in Afrika, ist für immer verloren. Und gleichzeitig werden Luxus-Boutiquen in der Maximilianstraße alle fünf Jahren umgebaut und der ganze Naturstein wird einfach weggeworfen… Das finde ich schade. Etwas Anderes ist es, wenn sich jemand ein Marmorbecken für seine Finka in Italien kauft und es dort für die nächsten 300 Jahre im Einsatz bleibt.
Wie stark ist deine Arbeit überhaupt von Trends geprägt – oder geht es nicht übergeordnet darum, einen eigenen Stil zu finden, der tagesaktuelle Trends überdauert?
Absolut. Stil hat für mich wenig mit kurzlebigen, austauschbaren Trends zu tun – man sollte definitiv seinen eigenen Weg einschlagen und sich von der Masse absetzen. Das größte Kompliment ist doch: „Wow, du hast einen tollen Stil, eine einzigartige Handschrift“. Das ist beachtenswert, dann hast du wirklich etwas erreicht.
Und man muss auch immer die Architektur von der Innenarchitektur unterscheiden. Im Inneren geht es deutlich agiler zu, es ist immer im Wandel – darum darf man sich hier auch mehr trauen! Gute Architektur hingegen hat Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und sollte schnelllebige Trends in jedem Fall überdauern.
„Bei Interior darf man sich was trauen.“

Woher nimmst du generell deine Inspiration?
Ich gehe regelmäßig auf Messen und reise unglaublich gern. Erst als ich kürzlich geschäftlich auf Mallorca war, saß ich in einer Bar und habe dort wieder einen ganz tollen Stuhl entdeckt! Aber auch im Alltag bieten sich wunderbare Inspirationsquellen, wenn man nur neugierig bleibt. Natürlich nutze ich auch die Sozialen Medien – mein Instagram-Feed ist voll mit Beiträgen rund um Interior und Design!

Was war das letzte Designstück, das du für dich persönlich erworben hast, und was gefällt dir daran so besonders gut?
Tatsächlich habe ich mir ein Kunstwerk für mein Zuhause gekauft. Das sehe ich mir gerade jeden Tag an und freue mich über die besonderen Farben! Und auf einem Vintage-Flohmarkt in Paris habe ich kürzlich einen Sessel gefunden, den ich in meiner favorisierten Farbe neu habe polstern lassen.
Wer die Augen für Schönes offen hält, wird definitiv mit einzigartigen und ganz persönlichen Lieblingsstücken für das eigene Zuhause belohnt.
Vielen Dank für das Gespräch!
Bildmaterial:
© Bauwerk





