London Chic, Amsterdam Flair, Sydney Coolness

„Das hübscheste Café der Stadt“ – die Rede ist von Mary’s Coffee Club in Münchens Maxvorstadt. Das Designcafé ist aktuell DER Hotspot für alle Instagram-Fans. Hier treffen lokal gerösteter Kaffee und Superfoods auf Kupfer, Cognac, Puder und Dunkelgrün. Das Gestalterinnenduo Julia Ackermann, Alpha RKD und Mery Reif, Lova Raumkonzept & Design über Hype und Zeitlosigkeit, Räume mit Tiefgang und die Seele eines Projekts.

Sie sind ein Kommunikations- und Designstudio, vernetzen Kompetenzen aus Innenarchitektur, Produktdesign, Szenografie und Architektur. Woher stammt dieser ganzheitliche Ansatz?

JA: Mery und ich haben uns während des Studiums „Raumkonzept und Design“ an der AMD in München kennengelernt. Während der sieben gemeinsamen Semester haben wir gelernt, ganzheitlich zu denken, bis zum Kern zu graben, Räumen eine Seele, eine Identität, einen Fingerabdruck zu geben. Bei uns wird kein Projekt jemals dem anderen gleichen. Ich zitiere gerne B. J. Palmer: „Get the big idea and all else follows.“ Je nachdem, was der Kunde wünscht, bieten wir alle Leistungsphasen von der Konzeption über die Entwurfsplanung bis hin zur Bauleitung an.

MR: Unser erstes gemeinsames Projekt war das Café Daddy Longlegs in der Barer Straße in München. Besitzerin Maren Weiß hatte eine klare Vision: Die Acai-Beere als brasilianisches und bei Sportlern beliebtes Superfood in München zu etablieren. Erfolgreich! Der Hype um das Café entstand damals noch völlig ohne Instagram…

JA: …ganz im Gegensatz zu Marys Coffee Club. Ein Post noch vor Eröffnung, und schon brach eine regelrechte „Manie“ aus.

Aktuell spricht jeder über „das hübscheste Café der Stadt“. Wie kam es zu diesem Projekt?

MR: Mary’s Coffee Club ist sozusagen die „kleine Schwester“ des Daddy Longlegs – gleiche Besitzerin, anderes Konzept. Für uns war es eine große Ehre, dass Maren Weiß uns erneut vertraut hat, zumal wir ihre ersten Vorstellungen zu Farben und Materialien komplett über Bord geworfen haben.

JA: Für uns stand bei Marys Coffee Club Maren als Person im Vordergrund. Inspiriert durch ihre Food Hotspots San Francisco, Melbourne und Tel Aviv gibt es eine kleine Menükarte, die alle Sinne anspricht, und fast fühlt es sich an, als wäre man als Freund bei ihr zu Besuch. Eine schöne Umgebung, in der kreative Ideen und neue Kontakte ganz ungezwungen entstehen.

Korall, Puder, Grau, Kupfer, Cognac, Dunkelgrün – wie kam es zu diesem Farbkanon?

JA: Man kann ihn mit einem Wort beschreiben: Gegenpol. Die Nuancen Koralle, Puder, Rosa sind sehr weiblich, verströmen eine ungemeine Wärme und verbinden sich gemeinsam mit Kupfer und cognacfarbenem Leder zu einem behaglichen Aufenthaltsbereich. Dagegen steht ein sehr männlicher, dunkelgrüner Barbereich, der einen spannenden aber warmen Kontrast bildet.

MR: Ein schönes Detail: Die Fugenfarbe in Bar und Bädern entspricht exakt dem puderfarbenen Ton der Wand. Wir hören nie auf, unsere Planungen reichen bis ins kleinste Detail. So wurden in Mary’s Coffee Club auch unsere Vorschläge zu Besteck und Geschirr angenommen, und die Verpackungen der in Kürze erhältlichen Kaffeebohnen entstammen ebenfalls unserer Feder.

Das Café sieht aus, als wäre es einem Interior-Blog entsprungen, und trifft exakt den Geschmack der jungen Zielgruppe. Ist das trendige Interior auch in zehn Jahren noch aktuell?

JA: Die farbigen Rosalinspiegel erzeugen das perfekte, warme Licht für tolle Instagram-Bilder – stammen aber aus den amerikanischen Diners der 50er Jahre. Ebenso der rosa Marmor und dunkelgrüne Stein – alles zeitlose Materialien, die immer schon aktuell waren. Wir haben sie nur neu kombiniert.

MR: „Zeitgemäß“ und „zeitlos“ sollten stets Hand in Hand gehen. Die grauen Stühle des Cafés sind ebenfalls unvergängliche Designklassiker. Ihr trendiges Kupfergestänge kann man jederzeit austauschen.

Wie visualisieren Sie Ihre Ideen, wie präsentieren Sie ein Konzept?

JA: Am Anfang eines Projekts steht immer der persönliche Austausch mit dem Kunden. Es geht um Zuhören, Einfühlen, Verstehen. Danach definieren wir meist drei Schlagworte, die unsere Idee umreißen. Hier sprechen Mery und ich die gleiche Sprache und kommen sehr schnell auf Punkt. Unsere Moodboards transportieren unsere Vorstellungen im Detail, bebildern Farben, Formen, Materialien, Ausstattungen. Die Inspiration dafür beziehen wir aus regelmäßigen Messebesuchen und Medien wie Instagram oder Pinterest.

MR: Sofern dem Kunden unser Moodboard gefällt, geht es an die konkrete Visualisierung der Räumlichkeiten. Wir arbeiten hierzu ungern mit 3D-Renderings, sondern schwören auf künstlerische Ansichten. Diese erleichtern das Gespräch mit unserem Auftraggeber, da sie noch Freiräume für Fantasie und Veränderung zulassen.

Auf Ihrer Homepage bieten Sie den sogenannten „Roomservice“ an. Haben Sie einen Tipp für unsere Kunden, wie man „große Veränderung in kurzer Zeit für kleines Geld“ in den eigenen vier Wänden umsetzen kann?

JA: Wie heißt es so schön? Ordnung ist das halbe Leben! Alles beginnt mit einem aufgeräumten Raum. Verbergen Sie Sammlungen in Schränken und Kleider hinter Türen. Und zuallererst: Fenster auf – für frische Luft und freie Gedanken!

www.alpha-rkd.de // www.lovadesign.de

Bildcredits © Alpha RKD

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